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Bart Eggink überlebte einen Herzstillstand: ‚Zeit ist lebenswichtig, jede Sekunde zählt‘

19 January 2017

Es war Glück im Unglück. In dem Augenblick, als der damals 54-jährige Bart Eggink aus Epe im Juni 2014 einen Herzstillstand erlitt, spielte er gerade mit seinen Freunden vom Basketball eine Runde Tennis. Auch Doppelpartner Klaas Dijkstra war dabei. Mehrere Spieler auf dem Feld wussten, wie man reanimiert, und innerhalb einer halben Minute war der AED aus dem Vereinsheim am Unglücksort. Ein einziger Stromstoß des Defibrillators setzte sein Herz wieder in Gang. Ein weiterer Beweis dafür, dass Zeit lebenswichtig ist. Bart und Klaas erzählen ihre Geschichte.

Da stimmt was nicht

B: Ich erinnere mich noch an alles, sogar an den Punktestand in unserem Tennisspiel. Meine Kumpels vom Basketballverein All Stars Epe – darunter mein Doppelpartner Klaas Dijkstra – beobachteten, wie ich kurz vor dem Aufschlag plötzlich nach hinten kippte. Klaas sah, dass ich blaugrau im Gesicht war, er hörte meine Schnappatmung (die Atmung eines Sterbenden) und wusste sofort, dass etwas nicht stimmte.

AED

K: Als die Schnappatmung aufhörte, fing ich mit der Herzdruckmassage an. Aber ich bekam keine Luft hinein, wahrscheinlich aufgrund der Muskelspannung. Der Tennistrainer und ausgebildete Ersthelfer Jan Kruitbos traf ein und jemand hatte den AED geholt. Jan machte weiter mit der Reanimation, während ich Barts Brust freimachte. Danach gab ich ihm mit dem AED einen Stromstoß. Bart war direkt wieder ‚da‘. Er wollte fast sofort wieder aufstehen und weiterspielen. Aber davon konnten wir ihn mit vereinten Kräften gerade noch abhalten.

Herzstillstand

B: Ich habe einen Herzstillstand gehabt. Es ist wohl so, ich muss es den anderen glauben. Aber es fühlt sich nicht so an. Ganz plötzlich war kurz das Licht aus. Als ich wieder aufwachte, riefen die anderen: Bleib liegen! Ich wollte noch fragen: Warum? Mir tat gar nichts weh. Kein Krampf, gar nichts. Ich hatte mir nur heftig in die Zunge gebissen. Später tat mir auch mein Nacken etwas weh. Erst während der zehn Tage im Krankenhaus wurde mir bewusst, wie ernst die Lage gewesen war. Ich habe einen bleibenden Schaden in Form eines Vorhofflimmerns behalten, das möglicherweise durch das Setzen eines Stents noch verstärkt wurde. Außerdem hatte ich schon fünf Mal eine Kardioversion und schlucke jeden Tag Medikamente.

Durch Mark und Bein

B: Als ich umfiel, spielte meine 16-jährige Tochter Laureen auf dem angrenzenden Tennisplatz. Sie schrie so laut, dass es den anderen Spielern durch Mark und Bein ging, erzählte mir Klaas später. Die psychischen Auswirkungen waren für sie viel schlimmer als für mich. Zum Glück geht es ihr inzwischen wieder etwas besser. Auch meine Frau Corry war sehr betroffen. Sie kam gleichzeitig mit dem Krankenwagen an und fragte mich panisch: ‚Was hast du jetzt schon wieder angestellt?’ Wenn ich heute etwas später als geplant nach Hause komme, muss ich sie immer anrufen. Sie macht sich schneller Sorgen.“

Ersthelfer

K: Es war meine zweite Wiederbelebung seit 1986. Es ist schon harter Tobak, einen Freund zu reanimieren. In der ersten Nacht konnte ich nicht gut schlafen. Erst als ich Bart zwei Tage später im Krankenhaus besucht hatte, kam ich wieder zur Ruhe. Ich bin davon überzeugt, dass der AED Barts Leben gerettet hat. Ich weiß genau, dass wir es mit der manuellen Wiederbelebung nicht geschafft hätten.

AED- und Reanimationskurse

B: Die Sporthalle „De Prins Willem Alexanderhal” hat letztes Jahr einen AED- und Reanimationskurs für alle Sportvereine angeboten. Meine Frau und eine meiner Töchter haben daran teilgenommen. Wir haben uns auch selber einen AED zugelegt. Ich bin mir bewusst, dass das Leben von diesem Gerät abhängen kann und dass jede Sekunde zählt. Nach dem, was mir passiert ist, wollte ich auf jeden Fall einen funktionierenden AED in der Nähe haben. Ich werde ihn auch noch für den öffentlichen Gebrauch anmelden.”

Menschen

B: Einen AED in der Nähe zu haben ist kein Allheilmittel. Man kann das Gerät nicht selbst bedienen, wenn man einen Herzstillstand hat. Es sind die Menschen in meiner Umgebung, die das tun müssen. Wenn die in meinem Fall nicht so schnell gehandelt hätten, wäre es bestimmt anders ausgegangen. Ich bin sehr glücklich über all diese Menschen um mich herum.

  • "Die Gemeinde Epe sorgt seit 2012 für öffentliche AEDs an allen strategischen Orten in der Gemeinde. Was auf dem Tennisplatz übrigens nicht nötig war: Hier hängt schon seit vielen Jahren ein Defibrillator. Die Gemeinde schaffte vor kurzem 16 neue AEDs mit Schutzkasten an, so dass es insgesamt in der Gemeinde 31 gibt. Es haben sich auch inzwischen ungefähr 250 freiwillige Ersthelfer gemeldet. "