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Krankenwagen-Fahrer Marco Jochem: ‚Der Krankenwagen kann nicht immer in den lebensentscheidenden 6 Minuten da sein‘

25 November 2016

Nachbarschaftshilfe rettet Leben. Das erlebte Krankenwagen-Fahrer Marco Jochem vom Weißen Kreuz in Zeeland bei einem Einsatz am eigenen Leib. Ein Autounfall war offenbar die Folge eines Herzstillstands des 79-jährigen Fahrers. Als der Krankenwagen nach etwa zehn Minuten eintraf, waren die zufällig vorbeigekommene Angela Heijboer und der Verkäufer Yasha Tra schon vollauf mit der Wiederbelebung beschäftigt. Sie hatten Erfolg, der Patient überlebte. Marco erzählt, warum er sich über diese Freiwilligen so freut.

Krankenschwester

Die in der häuslichen Pflege tätige Krankenschwester Angela war gerade unterwegs, als sie den Unfall sah. Sie parkte ihr Auto am Straßenrand, um dem Opfer zu helfen. Als sie am Auto ankam, erkannte sie sofort die Unfallursache. Sie bemerkte die typische Schnappatmung, die eintritt, wenn ein Patient an einem Herzstillstand stirbt. Darum holte sie den Patienten sofort aus dem Auto und begann mit der Reanimation und Beatmung.

AED

Auf der anderen Straßenseite arbeitete Yasha in einem Tauchershop, als er den Unfall beobachtete und sah, wie Angela mit der Wiederbelebung begann. Er zögerte keinen Augenblick, riss den AED von der Wand und rannte zum Unglücksort. Nachdem das Gerät angeschlossen war, bestätigte es Angelas Diagnose. Nach zwei Stromstößen vom AED traf der Krankenwagen ein.

Rettungswagen

Noch bevor Angela mit der Reanimation begann, traf in unserer Zentrale in Middelburg der telefonische Notruf ein. Wir bekamen die Information, dass nur ein einziges Auto beteiligt sei. Ich kenne die Gegend dort ziemlich gut und meine erste Reaktion war: Warum sollte dort ein Unfall passieren? Darum war nicht sofort klar, was eigentlich los war. Schnell fuhren wir von unserem Standort in Burgh-Haamstede zum Unglücksort.

Herzstillstand

Ungefähr zehn Minuten nach dem Notruf kam unser Krankenwagen an. Die Feuerwehr war auch inzwischen eingetroffen und hatte die Ehefrau aus dem Auto befreit. So konnten unsere Sanitäter sich auf den Mann konzentrieren. Zunächst knieten wir uns neben den Patienten und die Ersthelfer, die mit der Reanimation beschäftigt waren. Yasha und Angela machten die Übergabe sehr gut, kurz und deutlich. So konnten wir uns schnell ein vollständiges Bild machen. Es handelte sich um einen Herzstillstand.

LUCAS

Unsere Mitarbeiter schlossen das Herzmassage-Gerät LUCAS an. Danach defibrillierten wir noch zwei Mal. Das reichte, um den Herzschlag wieder in Gang zu setzen. Auch die natürliche Atmung des Patienten lag wieder im Normalbereich. Trotzdem wurde er nach Absprache mit dem Notarzt mit dem Hubschrauber ins „Erasmus Medisch Centrum” in Rotterdam gebracht. Der Arzt vermutete, dass bei dem Unfall durch den Aufprall innere Verletzungen entstanden waren, was sich später als richtig herausstellte. Die Milz des Opfers war gerissen, weswegen er sofort operiert wurde.

Fernsehsendung „Hart van Nederland”

Sehr häufig bekommen wir Rettungssanitäter nicht mit, wie eine Wiederbelebung letztendlich ausgeht. Dank einer Ausstrahlung der Fernsehsendung „Hart van Nederland” wissen wir, dass es diesem Patienten heute wieder gut geht. Er ist zum Glück wieder ganz gesund geworden. Der Schwiegersohn des Patienten zeigte einen Film, in dem sich sein Schwiegervater persönlich bei allen Helfern bedankt. Das war beeindruckend, so etwas erleben wir sonst selten.

Reanimationskurs

Angela und Yasha bekamen als Dank für ihr beherztes Eingreifen einen Blumenstrauß von unserem Arbeitgeber, dem Weißen Kreuz in Zeeland. Den haben sie sich redlich verdient. Der Krankenwagen konnte nicht innerhalb der lebenswichtigen sechs Minuten dort sein. Wenn die zwei nicht gewesen wären, hätte der Mann es vermutlich nicht überlebt. Sie führten die Reanimation korrekt nach allen Regeln der Kunst aus. Sie wussten genau, wass zu tun war. Wenn man nicht genau Bescheid weiß, macht man während der Wiederbelebung leicht Fehler. Darum ermuntere ich jeden, an einem Reanimations-Kurs teilzunehmen. Auch in diesem Fall hat sich wieder einmal gezeigt, wie hilfreich ein solcher Kurs sein kann. Der Krankenwagen kann nicht überall und jederzeit in sechs Minuten da sein. Darum sind wir sehr froh, wenn engagierte Bürger mithelfen.